Das Wichtigste in Kürze:
- AFIS, ALKIS und ATKIS sind drei getrennte amtliche Systeme: geodätische Referenzpunkte, das Liegenschaftskataster und topographische Basisdaten
- Das AAA-Modell (Amtliches AFIS-ALKIS-ATKIS-Modell) ist das gemeinsame objektorientierte Datenmodell, das die Vermessungsverwaltungen der Länder gebaut haben, damit alle drei Systeme gemeinsame Begriffe, etwa ein Gebäude, gleich beschreiben
- AFIS verankert jede andere Vermessung in einem gemeinsamen Bezugssystem; ohne AFIS würden ALKIS-Flurstücke und ATKIS-Topographie aus verschiedenen Bundesländern gar nicht zueinander passen
- ATKIS sind topographische Basisdaten, Bodenbedeckung, Verkehr, Gewässer, Gebäude in definierten Detailstufen, und damit etwas völlig anderes als die Flurstücke, die ALKIS führt
- Ein gemeinsames Modell bedeutet keine gemeinsame Veröffentlichung: Jede Landesvermessungsverwaltung exportiert und veröffentlicht ihre AAA-konformen Daten weiterhin nach eigenem Zeitplan
Wer sich lange genug mit deutschen Geodaten beschäftigt, stößt irgendwann auf alle drei Abkürzungen im selben Absatz, meist ohne Erklärung, wie sie zusammenhängen. AFIS, ALKIS und ATKIS sind keine konkurrierenden Systeme und auch nicht drei Namen für dieselbe Sache. Es sind drei getrennte amtliche Register, die die deutschen Vermessungsverwaltungen bewusst unter einem gemeinsamen Datenmodell vereint haben, dem AAA-Modell, gerade damit ein "Gebäude" oder eine "Flurstücksgrenze" dasselbe bedeutet, unabhängig davon, in welchem der drei Systeme man darauf gestoßen ist. Dieser Beitrag erklärt, was jedes der drei Systeme abdeckt, was das AAA-Modell tatsächlich vereinheitlicht, und warum diese Vereinheitlichung trotzdem sechzehn getrennte Veröffentlichungen statt einer übrig lässt.
Was ist das AAA-Modell, und warum gibt es das?
Das AAA-Modell, ausgeschrieben Amtliches AFIS-ALKIS-ATKIS-Modell, ist das gemeinsame objektorientierte Datenmodell, das die AdV, die Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder, entwickelt hat, um drei zuvor getrennte Systeme unter eine einheitliche Struktur zu bringen. Vor AAA wurden das geodätische Referenzpunktsystem, das Kataster und die topographischen Basisdaten unabhängig voneinander modelliert und geführt, jedes mit eigenen Objektdefinitionen, sodass selbst ein so grundlegender Begriff wie "Gebäude" je nach befragtem System unterschiedlich beschrieben werden konnte.
AAA hat das durch einen gemeinsamen Objektkatalog ersetzt, dokumentiert in dem, was die AdV GeoInfoDok nennt, mit gemeinsamen Objektarten, Geometrieregeln, Qualitätsangaben und Lebenszyklusstatus (ein Objekt kann etwa als bestehend, geplant oder historisch geführt werden), aus denen AFIS, ALKIS und ATKIS gleichermaßen schöpfen. Modellkonforme Daten werden über NAS ausgetauscht, eine standardisierte, GML-basierte Schnittstelle, sodass ein nachgeschaltetes System AFIS-, ALKIS- oder ATKIS-Datensätze grundsätzlich über dieselbe Art von Schnittstelle verarbeiten kann, unabhängig davon, welches der drei Systeme gerade gelesen wird.
Was ist AFIS, und warum ist es wichtig, auch wenn Sie es nie direkt anfassen?
AFIS, das Amtliche Festpunktinformationssystem, ist das amtliche Verzeichnis der geodätischen Festpunkte Deutschlands: die fest vermarkten, hochpräzise eingemessenen Referenzpunkte aus Trigonometrie- und Nivellementnetzen, auf die letztlich jede andere Vermessung im Land zurückgeht. Im Alltag ist es das am wenigsten sichtbare der drei Systeme, weil kaum jemand AFIS-Punkte direkt für eine geschäftliche Fragestellung abfragt. Aber es ist der Grund, warum eine in Bayern eingemessene Flurstücksgrenze und eine in Schleswig-Holstein eingemessene Grenze überhaupt im selben Bezugssystem liegen. Ohne ein gemeinsames, hochpräzises Punktnetz darunter wäre "harmonisierte bundesweite Daten" zuerst ein Koordinatentransformationsproblem, bevor es irgendetwas anderes wäre.
Was ist ALKIS, und wo fügt es sich ein?
ALKIS, das Amtliche Liegenschaftskatasterinformationssystem, ist Deutschlands amtliches Liegenschaftskataster: Flurstücke, ihre Grenzen, Fläche und amtlichen Kennungen, zusammen mit Gebäudeumrissen. Es ist das System, auf das eine Shortlist, ein Bauantrag oder ein Mietvertrag letztlich zurückgeführt werden muss, denn gebaut, verkauft oder vermietet wird nie gegen ein topographisches Merkmal oder einen Referenzpunkt, sondern immer gegen ein Flurstück. ALKIS und Flurstücke haben wir bereits ausführlich behandelt: was ein Flurstück ist, was ALKIS enthält und was nicht, und wie Flurstücksgeometrie zum Verknüpfungsschlüssel wird, der Zonierungs-, Gefahren- und Portfoliodaten überhaupt gemeinsam abfragbar macht.
Was ist ATKIS, und wie unterscheidet es sich von ALKIS?
ATKIS, das Amtliche Topographisch-Kartographische Informationssystem, ist etwas völlig anderes: amtliche topographische Basisdaten, die die physische und bebaute Landschaft beschreiben, nicht das rechtliche Eigentum an Grund und Boden. Wo ALKIS beantwortet "wem gehört dieses Flurstück und wo endet es", beantwortet ATKIS "was ist hier tatsächlich": Verkehrsnetze, Gewässer, Vegetation und Bodenbedeckung, Siedlungsflächen, Bauwerke und Einrichtungen sowie Schutzgebiete, erfasst in definierten Detailstufen und unter anderem als Quelldaten für Deutschlands amtliche topographische Karten genutzt.
Der Unterschied zählt in der Praxis mehr, als die Abkürzungen vermuten lassen. Ein Flurstück aus ALKIS zeigt eine rechtliche Grenze. Eine Straße oder ein Waldrand aus ATKIS zeigt die physische Realität vor Ort. Beide müssen häufig gemeinsam abgefragt werden, ein Standort neben einer Bundesstraße, ein Grundstück am Waldrand, genau der Fall, für den der gemeinsame Objektansatz des AAA-Modells gebaut wurde: dieselbe Art von Geometrie- und Objektlogik darunter, auch wenn der Inhalt völlig verschieden ist.
Wenn es ein gemeinsames Modell ist, warum variiert die Abdeckung dann immer noch je Bundesland?
Weil das AAA-Modell standardisiert, wie Daten strukturiert sind, nicht wer sie veröffentlicht oder wann. Vermessung, und damit die Führung von AFIS, ALKIS und ATKIS, liegt verfassungsrechtlich bei den sechzehn Bundesländern, jedes mit eigener Vermessungsverwaltung, eigener Produktionspipeline und eigenem Veröffentlichungsrhythmus. Ein gemeinsames Objektmodell bedeutet, dass ein Gebäude im sächsischen ATKIS-Export und ein Gebäude im hessischen ATKIS-Export gleich strukturiert sind, sobald beide vorliegen. Es sagt nichts darüber, ob beide Länder aktuell, im selben Detailgrad oder überhaupt veröffentlicht haben: Bayern etwa veröffentlicht seine ALKIS-Flurstücksdaten an der Quelle gar nicht, obwohl dasselbe AAA-Modell dort genauso gilt wie überall sonst.
Genau dort setzt Mapular auf der AAA-konformen Struktur auf: kein zweites Datenmodell, sondern die Arbeit, sechzehn Länder AAA-konformer Exporte tatsächlich einzusammeln, zu beobachten und bei Änderungen neu abzurufen, und je Ebene und je Bundesland offen zu benennen, wo das Modell sein Versprechen der Konsistenz tatsächlich in einen aktuellen, abfragbaren Datensatz übersetzt, und wo nicht.
Wie geht es von hier weiter?
Wer Flurstücke als erste Ebene braucht, findet im Beitrag zu ALKIS-Flurstücken mehr dazu, was diese Daten enthalten und wie sie genutzt werden. Für das vollständige Bild, was heute über alle drei Systeme hinweg harmonisiert ist, listet der Geodatenkatalog jede Ebene mit ihrer exakten Abdeckung je Bundesland, offen ausgewiesen.



